Adventskalender - Katta






Vorkommen: Südmadagaskar, Südwestmadagaskar
Lebensraum: Buschland, Trockenwald, Dornbusch
Kopf-Rumpf-Länge: 38 - 45 cm
Schwanzlänge: 55 - 62 cm
Gewicht: 3,5 kg
Nahrung: Früchte (u.a. Tamarinden), Blätter, Gräser
Gefährdungsstatus: EN (stark gefährdet)
Aktuell 67 in Deutschland und 341 Haltungen in der EU gesamt. Eine Liste finden sie hier
Der Katta (Lemur catta), auch Ringelschwanzlemur genannt, ist einer der bekanntesten und beliebtesten Lemuren Madagaskars. Mit seinem auffälligen schwarz-weiß geringelten Schwanz und seinem sozialen Verhalten gehört der Katta zu den faszinierendsten Vertretern der Lemurenfamilie. Die einzigartigen Primaten sind nicht nur ein Symbol für die reiche Artenvielfalt Madagaskars, sondern auch ein Paradebeispiel für die Gefährdung von Lebensräumen durch menschliche Einflüsse.
Aussehen und Merkmale
Der Katta ist ein mittelgroßer Lemur mit einem schlanken Körperbau. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 38 bis 45 Zentimetern, und sein auffälliger Schwanz misst zusätzlich etwa 55 bis 62 Zentimeter. Der Schwanz, der in zwölf schwarzen und weißen Ringen gestreift ist, verleiht dem Katta ein unverwechselbares Erscheinungsbild und dient ihm als Balancehilfe und Kommunikationsmittel.
Das Fell des Kattas ist überwiegend grau bis hellgrau, während Gesicht, Brust und Bauch weiß sind. Eine schwarze „Maske“ umrahmt seine Augen und hebt sich markant vom weißen Gesicht ab. Die großen, ausdrucksstarken Augen sind bernsteinfarben und wirken besonders aufmerksam, was typisch für nachtaktive Primaten ist – obwohl der Katta tagaktiv ist.
Verbreitung und Lebensraum
Der Katta ist ausschließlich auf der Insel Madagaskar heimisch und bewohnt vor allem die trockenen, offenen Wälder und Buschlandschaften im südwestlichen Teil der Insel. Im Gegensatz zu vielen anderen Lemurenarten bevorzugt er trockenere Lebensräume und ist oft in Dornenwäldern, Trockenwäldern und felsigen Gebieten anzutreffen. Diese Region Madagaskars ist durch eine lange Trockenzeit gekennzeichnet und erfordert eine große Anpassungsfähigkeit der Tiere an die wechselnden klimatischen Bedingungen.
Kattas sind geschickt darin, sich an Land zu bewegen und leben viel häufiger am Boden als die meisten anderen Lemurenarten, die fast ausschließlich auf Bäume angewiesen sind. Trotzdem nutzen sie auch Bäume und Sträucher, um Nahrung zu finden, sich vor Raubtieren zu verstecken und zu schlafen.
Sozialverhalten und Gruppenstruktur
Kattas sind hochsoziale Tiere und leben in großen Gruppen von bis zu 30 Individuen, die meist aus Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Anders als bei vielen anderen Primatenarten haben die Weibchen bei den Kattas die dominierende Rolle und leiten die Gruppen. Diese Matriarchate sind ein charakteristisches Merkmal und führen zu einer starken Bindung zwischen den Weibchen, die zusammen für den Schutz und die Führung der Gruppe sorgen.
Die Interaktionen innerhalb der Gruppe sind sehr wichtig für die sozialen Bindungen, und gegenseitige Fellpflege spielt dabei eine große Rolle. Kattas zeigen auch ein ausgeprägtes territoriales Verhalten und verteidigen ihr Revier energisch gegen Eindringlinge. Eine ihrer außergewöhnlichsten Verhaltensweisen ist der sogenannte „Stinkkampf“: Männchen reiben ihre Schwanzhaare mit Sekreten ein, die aus Drüsen an den Handgelenken und Schultern stammen, und schwenken dann den Schwanz in Richtung ihrer Rivalen, um sie mit dem Geruch zu vertreiben.
Die Gruppen kommunizieren außerdem über verschiedene Lautäußerungen, darunter Rufe zur Verteidigung des Territoriums und Warnrufe vor Fressfeinden. Diese komplexe Kommunikation stärkt den Zusammenhalt und ermöglicht eine effektive Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe.
Ernährung
Kattas sind Allesfresser und ernähren sich von einer Vielzahl an pflanzlicher und tierischer Nahrung, wobei Früchte und Blätter den Hauptbestandteil ihrer Nahrung ausmachen. Besonders wichtig in ihrer Ernährung sind Früchte der Tamarinde, die sowohl nahrhaft als auch oft in großer Zahl vorhanden sind. Sie fressen auch Rinde, Blumen, Kräuter und gelegentlich Insekten, die ihnen zusätzliche Proteine liefern.
Die flexible Ernährung der Kattas hilft ihnen, die langen Trockenzeiten Madagaskars zu überstehen. In der Trockenzeit, wenn frische Früchte seltener werden, greifen sie auf Blätter und Rinde zurück. Ihr Verdauungssystem ist gut an diese vielseitige Nahrung angepasst, und sie können auch weniger nahrhafte Pflanzen effizient verwerten.
Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen
Die Fortpflanzungszeit der Kattas beginnt meist in der Trockenzeit, sodass die Jungen während der regenreichen Periode zur Welt kommen, wenn Nahrung reichlich vorhanden ist. Die Paarungszeit ist kurz und intensiv: Die Männchen konkurrieren stark um die Weibchen und tragen dabei oft „Stinkkämpfe“ aus. Nach einer Tragzeit von etwa 135 Tagen bringt das Weibchen meist ein einzelnes Junges zur Welt, gelegentlich auch Zwillinge.
Das Junge klammert sich in den ersten Wochen an den Bauch der Mutter und wird von ihr herumgetragen. Nach einigen Wochen wechselt es auf den Rücken der Mutter und beginnt, die Umgebung neugierig zu erkunden. Die Jungtiere werden etwa fünf bis sechs Monate gesäugt, beginnen jedoch schon früh, feste Nahrung zu probieren, die sie nach und nach vollständig übernimmt. Die enge Bindung zwischen Mutter und Jungem bleibt während der ersten Lebensjahre bestehen, und die Jungtiere lernen durch Beobachtung und Nachahmung der Mutter das soziale Verhalten und die Nahrungsaufnahme.
Weibchen bleiben oft ihr Leben lang in der Gruppe, in die sie geboren wurden, während junge Männchen die Gruppe verlassen, wenn sie geschlechtsreif werden, um sich einer neuen Gruppe anzuschließen oder eine eigene zu gründen.
Bedrohungen und Gefährdung
Der Katta ist heute als stark gefährdet („Endangered“) auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) eingestuft. Die Populationen der Kattas sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, und die Art ist vor allem durch
Lebensraumverlust bedroht:
1. Lebensraumverlust
Die Zerstörung der madagassischen Wälder ist die größte Bedrohung für die Kattas. Durch Brandrodung für die Landwirtschaft, Viehzucht und den Holzeinschlag werden jedes Jahr große Flächen ihrer natürlichen Lebensräume zerstört. Da der Katta nur auf Madagaskar vorkommt und eine sehr spezifische Umwelt benötigt, hat dieser Lebensraumverlust dramatische Folgen für die Art.
2. Jagd
In einigen Regionen Madagaskars werden Kattas gejagt, entweder als Fleischlieferanten oder zum Verkauf als exotische Haustiere. Obwohl der Handel und die Jagd auf Kattas gesetzlich verboten sind, gefährdet die Wilderei weiterhin viele Populationen, insbesondere in ländlichen Gebieten, in denen die Bevölkerung oft auf die Jagd nach Wildtieren angewiesen ist.
3. Klimawandel
Der Klimawandel stellt eine zusätzliche Bedrohung dar, da er die Regenmuster und die Trockenzeiten Madagaskars beeinflusst. Veränderungen im Klima können die Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung für die Kattas verringern und das Überleben der Art langfristig beeinträchtigen.
Schutzmaßnahmen und Hoffnung
Trotz der Bedrohungen gibt es weltweit Anstrengungen, den Katta und seinen Lebensraum zu schützen. Verschiedene Naturschutzprojekte und Organisationen arbeiten daran, den Katta zu erhalten und die Lebensräume auf Madagaskar zu schützen.
1. Schutzgebiete und Nationalparks
In Madagaskar wurden Schutzgebiete eingerichtet, in denen Kattas und andere Lemurenarten ungestört leben können. Der Andohahela-Nationalpark und das Berenty-Reservat sind wichtige Rückzugsgebiete für Kattas, die Schutz vor Wilderei und Lebensraumverlust bieten. Die Nationalparks tragen dazu bei, die natürlichen Lebensräume der Kattas und anderer endemischer Arten zu bewahren.
2. Aufklärung und Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung
Naturschutzorganisationen arbeiten eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um nachhaltige Landnutzungsmethoden zu fördern und das Bewusstsein für die Bedeutung des Kattas und des Regenwaldschutzes zu schärfen. Bildung und wirtschaftliche Unterstützung bieten den Einheimischen alternative Einkommensquellen, die den Druck auf die Wälder und die Wildtiere verringern können.
3. Zuchtprogramme in Zoos
Zoos weltweit betreiben Zuchtprogramme für Kattas, um eine genetisch vielfältige Population in Gefangenschaft zu erhalten. Diese Programme, wie das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP), tragen dazu bei, das Überleben der Art langfristig zu sichern und Besucher über die Bedrohungen der Lemuren aufzuklären. Zoos wie der Zoo Zürich und der Zoo Leipzig leisten wichtige Aufklärungsarbeit und unterstützen den Artenschutz auf Madagaskar finanziell.
Fazit: Ein symbolträchtiger Lemur in Gefahr
Der Katta ist ein einzigartiger und charismatischer Vertreter der madagassischen Tierwelt und spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem. Durch seine soziale Struktur und sein Verhalten ist er ein faszinierender Primat und ein Symbol für die bedrohte Natur Madagaskars. Trotz der Gefährdungen gibt es Hoffnung, dass durch Schutzmaßnahmen, Bildung und internationale Zusammenarbeit die Populationen der Kattas erhalten und die Lebensräume Madagaskars bewahrt werden können. Mit gezielten Schutzprojekten kann sichergestellt werden, dass diese beeindruckenden Lemuren auch in Zukunft durch die Wälder und Trockenlandschaften Madagaskars ziehen.